Mittim Onboarding

MITTIM FIELD MANUAL

How To Survive Your First 90 Days

  • Kommuniziere früh.
  • Schütze die Patientenerfahrung.
  • Übernimm Verantwortung für Route, Kalender und Dokumentation.
  • Hol Hilfe, bevor Probleme gross werden.
  • Baue Vertrauen mit Patienten auf.
  • Nutze Freiheit professionell.
Start

Herzlich willkommen bei Mittim.

Mit Domizilphysiotherapie hast du dich bewusst für eine Arbeitsform entschieden, die viel Freiheit, Selbstständigkeit und Verantwortung mit sich bringt.

Du arbeitest eigenständig, organisierst deinen Alltag selbst und triffst täglich Entscheidungen mit echtem Einfluss auf Menschen.

Das kann am Anfang intensiv sein. Routen verändern sich. Patienten sagen kurzfristig ab. Angehörige haben Fragen. Verkehr zerstört manchmal den halben Zeitplan vor dem Mittagessen. Manche Tage laufen perfekt. Andere fühlen sich chaotisch an. Das gehört dazu.

Die ersten 90 Tage drehen sich deshalb nicht um Perfektion. Sie drehen sich darum, ruhig, flexibel und handlungssicher zu werden.

Dieses Manual ist kein trockenes Regelwerk. Es ist ein ehrlicher Field Guide von Menschen, die diese Arbeit selbst täglich machen. Es ersetzt nicht dein Cenplex- und Administrations-Onboarding mit Kseniya. Diese Themen werden separat und ausführlich erklärt.

Dieses Manual zeigt dir vor allem, wie du im Alltag denkst, kommunizierst, priorisierst und professionell durch die ersten 90 Tage kommst.

Was wir nicht wollen, ist Stille. Fehler sind menschlich. Ungelöste Probleme sind vermeidbar.
Voxel scene showing internal chaos handled behind the curtain while the patient remains calm.
Patient First

Interne Probleme dürfen nicht zu Patienten-Problemen werden

Im Hintergrund wird es immer wieder Herausforderungen geben. Routen funktionieren nicht wie geplant. Termine überschneiden sich. Informationen gehen verloren. Missverständnisse entstehen.

Das Entscheidende ist nicht, dass solche Dinge passieren. Das Entscheidende ist, dass wir sie intern auffangen, gemeinsam lösen und dem Patienten eine ruhige, professionelle und verlässliche Betreuung bieten.

Wenn in einem Restaurant in der Küche etwas schiefläuft, sollte der Gast davon möglichst nichts mitbekommen. Das Team löst das Problem intern, damit das Erlebnis für den Gast angenehm bleibt.

Genau so arbeiten wir auch. Patienten sollen Stabilität, Sicherheit und Professionalität erleben, selbst dann, wenn hinter den Kulissen gerade intensiv an einer Lösung gearbeitet wird.

Voxel dashboard showing freedom, responsibility, route planning and support.
Operating System

How Mittim Works

Mittim funktioniert anders als viele klassische Praxen.

Du bekommst viel Freiheit. Niemand kontrolliert permanent, wie du arbeitest. Gleichzeitig erwarten wir Professionalität, gute Kommunikation, Eigenverantwortung und Mitdenken.

Das Ziel ist nicht, dass du einfach Termine abarbeitest. Das Ziel ist, dass du Schritt für Schritt selbstständig Verantwortung für deine Patienten, deinen Arbeitsalltag, deine Dokumentation und deine Kommunikation übernimmst.

Gerade in deiner Startphase wirst du regelmässig mit Tim oder Kseniya sprechen. Nicht als Kontrolle, sondern als Unterstützung.

Am Anfang tauchen ständig neue Situationen auf:

  • schwierige Patienten
  • Terminprobleme
  • organisatorische Fragen
  • Arztkommunikation
  • Unsicherheiten
  • Planungschaos
  • Dokumentationsfragen

Das gehört dazu. Lieber einmal zu früh fragen als ein Problem drei Tage alleine herumtragen.

Voxel image of the Mittim contract with freedom and responsibility balanced.
Exchange

The Mittim Contract

The implicit Mittim contract is simple:

We pay unusually well.
We give unusual freedom.
We do not micromanage.

In exchange, we expect professionalism, flexibility and self-management.

Jeder Patient beinhaltet bereits 15 Minuten bezahlte Fahrzeit. Zusätzlich werden pro Behandlung 55 Minuten vergütet, obwohl die direkte Behandlungszeit häufig darunter liegt.

Diese Vergütung berücksichtigt bewusst auch die organisatorischen Aufgaben rund um die Patientenbetreuung:

  • Wochenplanung und Kalenderpflege
  • Dokumentation
  • kurze Rücksprachen
  • gelegentliche Video- oder Telefontermine
  • rechtzeitiges Mitdenken bei Verordnungen, Folgeverordnungen und Kostengutsprachen, zusammen mit Tammy

Diese Aufgaben sind ein fester Bestandteil der Domizilphysiotherapie. Deshalb betrachten wir Fahrzeiten nicht auf die Minute genau und zählen auch keine Kilometer.

Im Gegenzug erwarten wir, dass du deinen Arbeitsbereich aktiv führst. Beim Aufbau oder bei der Erweiterung deiner Route kann das bedeuten, auch einmal etwas weiter zu fahren oder einen neuen Patienten aufzunehmen, bevor alles perfekt passt. Die Administration unterstützt und entlastet, ersetzt aber nicht deine Verantwortung für Planung und Organisation.

Dasselbe Prinzip gilt im Team. Patienten gehören nicht einzelnen Therapeuten, sondern werden gemeinsam durch Mittim betreut. Deshalb erwarten wir die Bereitschaft, Patienten zu übernehmen oder bei Bedarf an Kollegen weiterzugeben. Natürlich wirst du dabei einbezogen und kannst mitentscheiden.

Wir behandeln dich wie ein Profi. Dafür erwarten wir, dass du deinen Arbeitsbereich selbstständig organisierst, Probleme früh ansprichst und pragmatische Lösungen findest.
Voxel scene showing communication, phone messages and safe hands-free work.
No Silence

Communication Is Survival

In einer normalen Praxis passiert vieles automatisch nebenbei. Man sieht sich im Gang, fragt kurz etwas an der Rezeption oder spricht schnell mit Kollegen.

Bei uns passiert fast alles digital. Deshalb ist Kommunikation kein Nebending. Kommunikation ist Teil des Betriebssystems.

Kontrolliere dein Arbeitshandy mindestens nach jedem Patienten. Du musst während einer Behandlung nicht rangehen. Aber sobald du fertig bist: zurückrufen, kurz schreiben oder eine Sprachnachricht schicken.

Nachrichten von Kseniya, Tim und Tammy sollten idealerweise zwischen den Patienten beantwortet werden. Wenn du keine Zeit hast, sauber zu tippen, ist eine kurze Sprachnachricht oft völlig ausreichend.

Verbinde dein Arbeitshandy mit dem Auto, nicht dein privates Handy. Wichtig ist, dass das Arbeitshandy über Bluetooth verbunden ist, damit du bei Bedarf sicher und unkompliziert erreichbar bist.

Wenn es die Verkehrssituation zulässt, kannst du Anrufe über die Freisprechanlage annehmen. Wenn du eine Nachricht schicken musst, mach das nur, wenn es sicher ist, oder halte kurz an.

Alle Fahrzeuge verfügen über Android Auto. Bei Bedarf kannst du während der Fahrt über "Hey Google" oder Gemini Nachrichten diktieren. Die Google Pixel-Geräte unterstützen viele KI-Funktionen und eine einfache Bedienung per Sprachbefehl.

Im Hintergrund läuft ständig eine grössere Organisation, die dich unterstützt: neue Patienten melden sich an, Termine werden abgesagt oder verschoben, Verordnungen und Kostengutsprachen müssen organisiert werden, Angehörige haben Fragen und Pläne verändern sich laufend.

Ruf an. Schreib kurz. Halt uns auf dem Laufenden.

Wir können helfen, Patienten zu informieren, Lücken zu schliessen, Erwartungen frühzeitig zu managen oder organisatorischen Druck von dir wegzunehmen. Gerade in der Onboarding-Zeit ist das ausdrücklich erwünscht.

Voxel support hub with Tim, Kseniya and Tammy at different stations.
Support Map

Who Helps With What

Tim

Akute Probleme im Feld, Konflikte, Beschwerden, Eskalationen, kollabierende Routen und schwierige Patientensituationen. In der Startphase kann Tim helfen, solche Situationen schnell zu stabilisieren, wenn nötig auch persönlich.

Kseniya

Cenplex, Koordination, organisatorische Fragen, Planung, Kalender, administrative Abläufe und allgemeine Unterstützung.

Tammy

Behandlungsschreiben, Qualitätsfragen, Dokumentation, fachliche Struktur, Folgeverordnungen und Kostengutsprachen.

Kontaktiere Tammy ungefähr um die 6. Behandlung einer Verordnung, damit sie die nächste Folgeverordnung rechtzeitig vorbereiten kann. Bei Kostengutsprachen kontaktierst du Tammy spätestens zu Beginn der dritten Verordnung, besser früher, damit genug Zeit für Abklärung, Schreiben und Einreichung bleibt.

Voxel image of Tammy with documents, Folgeverordnung and Kostengutsprache timing.
Voxel urgent dashboard showing patient trust and workflow risk.
Escalate Early

What Counts As Urgent

Urgent bedeutet bei Mittim nicht nur medizinisch dringend.

Urgent bedeutet auch: Patientenzufriedenheit, Vertrauen, dein Arbeitsfluss oder die normale Organisation sind gefährdet.

Bitte informiere Tim früh, wenn:

  • ein Patient genervt, enttäuscht oder agitiert wirkt
  • ein Patient nicht die gewünschte Zeit bekommt und die Situation emotional wird
  • Angehörige unzufrieden sind oder Druck entsteht
  • eine Beschwerde oder negatives Feedback auftaucht
  • dein Tagesplan auseinanderfällt
  • du eine Situation nicht mehr ruhig auffangen kannst
  • etwas den normalen Betrieb deutlich unterbricht

Primär geht es darum, Patienten und Therapeuten stabil und zufrieden zu halten. Je früher du informierst, desto einfacher ist die Lösung.

Voxel image showing fast warm welcome for new patients.
First Impression

New Patients Are Urgent

Neue Patienten brauchen am Anfang besonders guten Service. Sie kennen uns noch nicht und kommen oft zu uns, weil Ärzte, Angehörige oder andere Fachpersonen gute Erfahrungen mit Mittim gemacht haben.

Dieser Ruf ist wertvoll.

Deshalb behandeln wir neue Patienten mit hoher Priorität. Manchmal bedeutet das am Anfang einen Umweg oder eine weniger perfekte Terminlösung. Die Folgetermine planst du danach so, dass sie langfristig besser in deine Route passen.

Eine zeitnahe und konkrete Rückmeldung an den behandelnden Arzt zeigt, dass der Patient angekommen ist und dass Überweisungen an Mittim gut aufgehoben sind. Unser Ärztenetzwerk lebt von Verlässlichkeit. Gute Zuweisungen schaffen stabile Kalender.

Voxel Mittim car with time windows and a crossed-out helicopter.
Route Reality

Route Survival & Setting Expectations

Du fährst ein Auto. Keinen Helikopter.

Ein wichtiger Teil der Domizilphysiotherapie ist gutes Erwartungsmanagement. Wir decken ein grosses Gebiet ab, behandeln viele Patienten gleichzeitig und arbeiten in einem Alltag, in dem Verkehr, Notfälle oder kurzfristige Änderungen vorkommen können.

Deshalb kommunizieren wir Termine grundsätzlich als Zeitfenster. Unser Ziel ist normalerweise, innerhalb von etwa 30 Minuten vor oder nach der vereinbarten Zeit vor Ort zu sein.

Wenn du dieses Zeitfenster deutlich überschreitest, ruf den Patienten an. Sag ruhig und ehrlich, dass du etwas früher oder später als erwartet kommst. Wenn das für den Patienten nicht funktioniert, biete nach Möglichkeit einen alternativen Termin innerhalb derselben Woche an.

Sei hier entgegenkommend. Viele Spitex-Organisationen arbeiten ähnlich mit Zeitfenstern. Klare Erwartungen sorgen meistens eher für Ruhe als für Unzufriedenheit.

Gerade am Anfang möchten viele neue Therapeuten jedem Patienten sofort den perfekten Termin geben. Das ist menschlich, zerstört aber sehr schnell die eigene Wochenstruktur.

Wenn diese Woche kein perfekter Termin möglich ist, biete eine realistische Alternative für diese Woche an. Ein bisschen zusätzliche Fahrzeit darf am Anfang durchaus in Kauf genommen werden. Danach planst du in Ruhe weiter, damit die folgenden Termine langfristig gut funktionieren.

Zwei Wochen im Voraus sauber zu planen ist meistens optimal. So musst du weniger bestehende Termine verschieben, wenn neue Patienten dazukommen.

Patienten mit der geringsten Flexibilität ankern deinen Tag. Flexible Patienten werden darum herum organisiert.

Je stabiler deine Wochenstruktur wird, desto ruhiger wird dein Alltag. Am Anfang braucht das Zeit. Später spart es enorm viel Energie.

Voxel calendar gap image showing useful time, coffee, documentation and flexible route optimization.
Use The Gap

Calendar Gaps Are Not Dead Time

Wir wollen nicht, dass du stundenlang im Auto wartest, wenn Patienten unerwartet absagen oder eine grosse Lücke in deinem Kalender entsteht.

Natürlich darfst du diese Zeit für eine Pause, einen Kaffee, etwas Ruhe oder Dokumentation nutzen.

Wenn du aber weiterarbeiten möchtest, darfst du flexibel denken.

Du kannst Patienten anrufen und freundlich fragen, ob es für sie passen würde, wenn du früher kommst. Manchmal kannst du den letzten Patienten nach vorne ziehen. Manchmal lässt sich ein anderer Termin auf einen anderen Tag verschieben. Manchmal bist du dadurch zwei oder drei Stunden früher fertig und kannst die Behandlung an einem anderen Tag nachholen.

Das ist ein Netto-Gewinn, solange es ruhig, professionell und patientenfreundlich bleibt.

Solche grossen Änderungen sollten nicht dauernd passieren. Aber sobald du deine Patienten kennst, wirst du schnell merken, wer flexibel ist und sich über einen früheren Termin freut, und wer feste Zeiten braucht.

Intelligente Planungsoptimierung ist willkommen.

Voxel image showing 24-hour cancellation rule and friendly boundaries.
Reliability

Cancellations & No-Shows

Patienten müssen Termine mindestens 24 Stunden im Voraus absagen.

Beim ersten Mal, wenn ein Patient diese Frist verpasst, übernehmen wir es. Wir erinnern freundlich an die Regel und bleiben kulant.

Beim zweiten Mal kann eine Ausfallpauschale von CHF 40 erhoben werden. Diese Pauschale dient dazu, den blockierten Termin teilweise zu kompensieren.

Wenn die Abwicklung direkt über dich erfolgt, zum Beispiel bar oder per Twint, informiere Mittim am selben Tag kurz darüber. Schreib uns, welcher Patient betroffen war, wann der Termin gewesen wäre und dass die 24-Stunden-Frist wiederholt nicht eingehalten wurde.

Wichtig ist:

  • freundlich bleiben
  • keine Diskussion eskalieren lassen
  • Mittim informieren
  • bei Unsicherheit Tim kontaktieren

Die Regel soll Patienten nicht bestrafen. Sie soll Verbindlichkeit schaffen und verhindern, dass Therapeuten wiederholt unbezahlte Lücken tragen müssen.

Voxel image of therapist protecting trust and patient experience.
Reputation

Protect The Patient Experience

Nicht jede Situation wird perfekt verlaufen.

Entscheidend ist, wie wir reagieren, wenn etwas nicht nach Plan läuft.

Wer ein Problem früh erkennt und Verantwortung übernimmt, kann viele Situationen vollständig entschärfen. Oft machen nicht die ursprünglichen Schwierigkeiten den Unterschied, sondern die Art und Weise, wie damit umgegangen wird.

Deshalb erwarten wir, dass du bei Unzufriedenheit, Missverständnissen oder Beschwerden aktiv handelst und früh Unterstützung einholst.

Wenn es eine Beschwerde gibt oder wenn du negatives Feedback erhältst, informiere immer Tim.

Das ist kein Zeichen von Versagen. Es ist wichtige Information. Wir können daraus lernen, schneller reagieren und verhindern, dass kleine Irritationen zu grossen Problemen werden.

Wenn es sinnvoll erscheint, dürfen kleine Gesten wie Blumen, Schokolade oder andere Aufmerksamkeiten als Firmenausgabe genutzt werden. Nicht weil wir Schuld eingestehen müssen, sondern weil wir Beziehungen wertschätzen.

Unser Ziel ist nicht, Diskussionen zu gewinnen. Unser Ziel ist, Vertrauen aufzubauen und unseren Ruf zu stärken.

Menschen erinnern sich oft weniger an organisatorische Schwierigkeiten als daran, wie professionell, lösungsorientiert und menschlich mit ihnen umgegangen wurde.

Voxel documentation bridge image showing baseline, progress, plan and agreements.
Handoff Ready

Documentation That Actually Helps

Gute Dokumentation muss nicht lang sein. Sie muss nützlich sein.

Beim ersten Termin etablierst du eine Baseline. Was ist der Ausgangszustand? Was kann der Patient aktuell? Wo liegen die wichtigsten Einschränkungen? Was ist das Ziel?

Im Verlauf der Behandlung machst du etwa alle zwei bis drei Behandlungen kurze Notizen zum Fortschritt oder zur fehlenden Veränderung.

Dokumentiere immer, was du mit dem Patienten gemacht hast.

Das muss nicht direkt im Auto passieren. Du kannst es auch am Abend erledigen, oder direkt beim Patienten zu Hause auf deinem Handy. Wichtig ist, dass die Informationen zeitnah und verständlich festgehalten werden.

Wenn du morgen krank bist und ein anderer Therapeut übernehmen muss, sollte er genug Informationen haben, um sinnvoll und sicher weiterzuarbeiten.

Notiere besonders:

  • Ausgangslage beim ersten Termin, zum Beispiel Timed Up and Go Test, 30/60 Second Chair Stand Test, NRS, Numeric Pain Rating Scale oder VAS
  • wichtige Ziele des Patienten
  • was du behandelt oder geübt hast
  • Fortschritte oder fehlende Fortschritte
  • relevante Schwierigkeiten
  • Anpassungen am Plan
  • wichtige Abmachungen mit Patient oder Angehörigen

Dokumentation ist nicht Bürokratie um der Bürokratie willen. Sie schützt deinen Patienten, deine Kollegen und dich.

Field Notes

Things Nobody Tells You

Ein Teil der ersten Monate besteht darin, die unsichtbaren Regeln der Domizilphysiotherapie zu lernen. Diese Dinge stehen selten in Lehrbüchern, entscheiden aber oft darüber, ob dein Tag ruhig oder komplett chaotisch wird.

  • Vertraue Google Maps nie vollständig.
  • Nutze jede gute Gelegenheit, kurz auf die Toilette zu gehen.
  • Die süsse alte Dame kann absolut deine Route zerstören.
  • Eine schwierige Telefonkonversation kann mehr Energie kosten als fünf Behandlungen.
  • Snacks im Auto sind keine schlechte Idee.
  • Ein chaotischer Kalender erzeugt ein chaotisches Leben.
  • Der flexibelste Patient ist manchmal dein bester Freund.
  • Der unzufriedene Patient ist oft noch gut rettbar, wenn du früh genug kommunizierst.
  • Kleine Geschenke können einen "schwierigen Patienten" in einen "einfachen Patienten" verwandeln.

Humor ist hier kein Extra. Humor hilft dir, ruhig und professionell zu bleiben, wenn der Alltag mal wieder improvisieren möchte.

Therapy

Treatment Philosophy

Jede Patientengruppe bringt ihre eigenen Herausforderungen mit sich, egal ob Profisportler, Reha-Patienten, neurologische Patienten oder Domizilpatienten. Speziell bei Domizilpatienten gibt es einige hilfreiche Prinzipien, die man möglichst früh integrieren sollte. Sie reduzieren den Arbeitsaufwand und erhöhen gleichzeitig die Effektivität der Behandlung.

Deshalb geht es bei guter Therapie nicht nur um Übungen, sondern auch um Motivation, Verständnis, Kommunikation und realistische Umsetzung im Alltag.

Wenn du im Gespräch merkst, dass Motivation oder Mitarbeit schwierig werden könnten, sprich das offen und ohne Druck an.

Vielleicht geht es erstmal gar nicht um ein klassisches Heimprogramm. Vielleicht reicht es zunächst:

  • den Rollator etwas weniger zu heben und mehr selber zu stabilisieren
  • bewusster aufzustehen
  • grössere Schritte zu machen
  • langsamer und kontrollierter zu laufen
  • häufiger kurze Wege zu gehen
  • Socken im Stand anzuziehen, wenn das sicher möglich ist
  • eine einzige Übung regelmässig umzusetzen
Voxel therapy scene showing the magic question and patient motivation.

Wenn ich zaubern könnte: Was würden Sie sich wünschen?

Finde heraus, was dem Patienten wirklich wichtig ist. Diese Frage wirkt leicht und humorvoll, zeigt aber oft sehr schnell, was Menschen wirklich motiviert.

Das Ziel ist nicht Perfektion. Das Ziel ist Fortschritt.

Ein niedriger Einstieg funktioniert oft besser als ein perfekter Plan, der nie umgesetzt wird.

Voxel bottleneck thinking image showing therapy inputs blocked by one limiting factor.
Find The Limiter

Bottleneck Thinking In Physiotherapy

Ein Bottleneck ist der Engpass, der den Fortschritt aktuell am stärksten begrenzt.

Stell dir einen Stau auf der Autobahn vor. Es spielt keine Rolle, wie viele freie Fahrspuren davor oder danach existieren. Solange eine Spur blockiert ist, bestimmt genau diese Engstelle, wie schnell der Verkehr vorankommt.

Ähnlich funktioniert die Therapie.

Viele Therapeuten investieren viel Energie in immer neue Übungen, zusätzliche Techniken oder komplexere Behandlungspläne.

Voxel image asking what truly limits patient progress.

Was begrenzt den Fortschritt dieses Patienten aktuell wirklich?

Bei vielen Patienten ist der Engpass nicht unser Fachwissen.

Der Engpass ist häufig:

  • Vertrauen
  • Verständnis
  • Motivation
  • Umsetzung im Alltag
  • Angst
  • Überforderung
  • fehlende Routine

Ein perfekter Therapieplan bringt wenig, wenn er nie durchgeführt wird. Eine einzelne, einfache Übung, die regelmässig umgesetzt wird, erzeugt oft mehr Fortschritt als ein komplexes Programm, das nur auf Papier existiert.

Deshalb investieren wir früh in die therapeutische Beziehung.

Menschen setzen Empfehlungen eher um, wenn sie sich verstanden, ernst genommen und respektiert fühlen. Vertrauen, Sympathie und gute Kommunikation sind deshalb keine Nebensache der Therapie. Sie sind häufig eine Voraussetzung dafür, dass Therapie überhaupt funktioniert.

Ebenso sprechen wir offen und realistisch über Übungsadhärenz.

Viele Patienten erwarten bereits beim ersten Termin einen langen Übungszettel mit Aufgaben, die sie in der Realität kaum oder nicht umsetzen werden.

Wie viel Zeit wären Sie realistisch bereit zu investieren? Eine Minute pro Tag? Fünf Minuten? Zweimal pro Woche?

Anschliessend bauen wir die Therapie um die tatsächliche Lebensrealität des Patienten herum auf, nicht um eine ideale Vorstellung davon, wie ein Patient mitarbeiten sollte.

Ein realistischer Plan wird fast immer besser umgesetzt als ein perfekter Plan.

Voxel exercise diary and tally list image.

Zum Beispiel als Strichliste:

28.05. |||| ||||
29.05. ||||
30.05. nicht gemacht
31.05. |||| |||| |||| ||||

Nicht zur Kontrolle. Nicht um Schuldgefühle zu erzeugen. Sondern um gemeinsam ehrlich darüber sprechen zu können, was funktioniert hat und was nicht.

Wenn ein Patient drei von sieben Tagen trainiert hat, ist das wertvolle Information. Jetzt könnt ihr gemeinsam herausfinden, was die Umsetzung erschwert hat und wie der Plan angepasst werden kann.

Wichtig ist: Gehe nicht davon aus, dass Patienten perfekt mitarbeiten werden. Gehe davon aus, dass Verhaltensänderung schwierig ist.

Unsere Aufgabe besteht nicht nur darin, Wissen zu vermitteln. Unsere Aufgabe besteht darin, Wissen so zu übersetzen, dass es im Alltag tatsächlich angewendet werden kann.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Bei Leistungssportlern oder aussergewöhnlich disziplinierten Patienten kann die Therapie selbst stärker zum Engpass werden und unser fachliches Wissen rückt mehr in den Vordergrund.

Der Vorteil von Domizilpatienten ist, dass häufig deutlich grössere und lebensverändernde Fortschritte möglich sind als bei nahezu jeder anderen Patientengruppe. Wir können Menschen ganz konkret mehr Bewegungsfreiheit und Selbstständigkeit im Alltag ermöglichen.

Es lohnt sich häufig, zuerst den Engpass zu lösen, bevor weitere Komplexität hinzugefügt wird.

Voxel 90-day success path with Day 30, Day 60 and Day 90 gates.
Probezeit

What Success Looks Like In Your First 90 Days

Die Probezeit ist bei Mittim keine Formalität. Sie dient dazu herauszufinden, ob unsere Arbeitsweise zu dir passt und ob du zu uns passt.

Niemand erwartet, dass du nach drei Monaten alles weisst. Niemand erwartet Perfektion. Wir erwarten jedoch, dass du die grundlegenden Fähigkeiten entwickelst, um selbstständig, zuverlässig und professionell in unserem System zu arbeiten.

Die Kapitel oben erklären die Prinzipien. Die folgenden Meilensteine zeigen, woran du dich in den ersten 90 Tagen orientieren kannst.

By Day 30

Früh fragen

Nach etwa 30 Tagen erwarten wir nicht, dass alles fehlerfrei läuft. Wir erwarten viele Fragen, einige Fehler und vor allem klare, proaktive Kommunikation.

  • auf deinem Arbeitshandy erreichbar und responsiv sein
  • dein Arbeitshandy mit dem Auto verbunden haben
  • die richtigen Ansprechpartner kennen
  • erste Planungsprobleme früh ansprechen
  • Patienten freundlich und verlässlich betreuen
  • Kalender und Dokumentation gemäss den Kapiteln oben aktiv beginnen
By Day 60

Abläufe verstehen

Nach etwa 60 Tagen solltest du die wiederkehrenden Abläufe deutlich besser verstehen.

  • deine Patienten weitgehend zuverlässig betreuen
  • deinen Wochenplan mit weniger Unterstützung organisieren
  • kurze, brauchbare Verlaufsnotizen alle zwei bis drei Behandlungen erstellen
  • Tammy ungefähr um die 6. Behandlung einer Verordnung kontaktieren
  • bei Kostengutsprachen spätestens zu Beginn der dritten Verordnung mit Tammy Kontakt aufnehmen
  • organisatorische Fragen nicht liegen lassen
  • bei Unsicherheit früh kommunizieren
By Day 90

Eigenes System

Nach etwa 90 Tagen solltest du ein funktionierendes eigenes System haben.

  • Kalender, Wochenstruktur und Dokumentation zuverlässig führen
  • etwa zwei Wochen im Voraus planen
  • wissen, wen du wofür kontaktierst
  • bei Bedarf flexibel für Telefonate oder Videocalls verfügbar sein
  • Beschwerden oder negatives Feedback immer weiterleiten
  • neue Patienten mit besonderer Priorität behandeln
  • auch unter Druck ruhig, professionell und lösungsorientiert bleiben
Voxel image reminding therapists to ask early.

Du musst nicht alles wissen. Du musst früh fragen.

Im administrativen Bereich solltest du nach der Cenplex-Schulung Schritt für Schritt lernen, Patientendateien korrekt zu prüfen und zu vervollständigen.

  • korrekter Arzt ausgewählt
  • richtige Behandlungsvorlage gewählt
  • 7301 oder 7311 korrekt eingeschätzt
  • mit oder ohne Fahrtkosten korrekt hinterlegt
  • Verordnung auf Domizil-Hinweis geprüft
  • Diagnose grob auf Kompatibilität mit 7311-Abrechnung geprüft

Wenn Verordnungen über die Signalgruppe an dich weitergeleitet werden, werden sie normalerweise markiert, damit du leicht siehst, ob die Anforderungen erfüllt sind.

Voxel image of mastered schedule and calendar ownership.
Mastery

Own Your Calendar

Gib uns gerne Feedback, wenn du irgendwo Verbesserungspotenzial siehst. Wir arbeiten jeden Tag daran, uns als Unternehmen weiterzuentwickeln und besser zu werden. Feedback ist deshalb jederzeit willkommen.

Wenn du all das beherrschst, hast du die Voraussetzungen geschaffen, um entspannt, effizient und auf hohem Niveau zu arbeiten. Du wirst das Leben vieler Menschen spürbar verbessern. Sobald du deine Patienten und Wege kennst, gelingt dir das mit erstaunlich wenig Aufwand.

Voxel image of the Mittim team and cars at sunset.
Finish

Willkommen im Team.
Enjoy the ride.