Five Times Sit-to-Stand Test: Auswertung & Normwerte

Five Times Sit-to-Stand Test: Auswertung & Normwerte
Klinischer Funktionstest

Five Times Sit-to-Stand Test (5xSTS): Auswertung, Normwerte und Grenzen

Der Five Times Sit-to-Stand Test misst, wie schnell und sicher eine Person wiederholt vom Stuhl aufstehen kann. Er ist kurz, gut dokumentierbar und im Alltag sehr nah an dem, was Patient:innen täglich brauchen: aufstehen, hinsetzen, stabil bleiben und Kraft kontrolliert einsetzen.

5 Aufstehbewegungen werden so schnell und sicher wie möglich durchgeführt.
48 cm wurden im modernen Referenzprotokoll verwendet. Entscheidend ist: Stuhlhöhe dokumentieren.
> 15 s ist bei älteren Menschen ein wichtiger Warnwert für weitere Abklärung, aber keine Diagnose.
1 Test ersetzt keine klinische Beurteilung von Gang, Gleichgewicht, Schmerz, Kraft und Sicherheit.

Was der 5xSTS eigentlich misst

Der 5xSTS wird oft als Test für Beinkraft beschrieben. Das stimmt teilweise, ist aber zu eng. Die Zeit hängt nicht nur von der Kraft der Oberschenkel- und Gesässmuskulatur ab, sondern auch von Gleichgewicht, Koordination, Rumpfkontrolle, Schmerz, Bewegungsstrategie, Angst vor dem Fallen und der Fähigkeit, Kraft schnell genug aufzubauen.

Genau deshalb ist der Test klinisch wertvoll: Er misst nicht isoliert einen Muskel, sondern eine wiederholte Alltagsbewegung. Wer nach einem Spitalaufenthalt, einer Operation oder längerer Immobilität Mühe hat, vom Stuhl aufzustehen, merkt diese Einschränkung nicht im Labor, sondern beim Essen, Toilettengang, Anziehen und Gehen im eigenen Zuhause.

Kurz gesagt: Der 5xSTS ist ein funktioneller Transfer-Test. Eine langsamere Zeit kann auf reduzierte Beinkraft hinweisen, aber auch auf Gleichgewichtsprobleme, Schmerzen, Unsicherheit, neurologische Einschränkungen oder eine ungeeignete Testdurchführung.

Durchführung des Five Times Sit-to-Stand Tests

Der Test ist einfach, aber nur dann vergleichbar, wenn die Durchführung konsequent gleich bleibt. Stuhlhöhe, Armposition, Schuhwerk und Stopp-Regel sollten immer dokumentiert werden.

Stuhl vorbereiten

Ein stabiler Stuhl ohne Rollen wird verwendet, idealerweise ohne Armlehnen. In einem häufig zitierten Referenzprotokoll wurde ein harter, armloser Stuhl mit 48 cm Sitzhöhe verwendet. In der Praxis ist wichtig, die Sitzhöhe zu notieren und bei Verlaufsmessungen denselben Stuhl zu verwenden.

Startposition festlegen

Die Person sitzt aufrecht, die Füsse stehen flach auf dem Boden. Die Arme werden vor der Brust verschränkt. Wenn das nicht möglich oder nicht sicher ist, darf eine modifizierte Durchführung dokumentiert werden, sie ist dann aber nicht direkt mit Standardwerten vergleichbar.

Eine Probe-Wiederholung

Eine einzelne Probe-Bewegung hilft zu sehen, ob die Aufgabe verstanden wurde und sicher möglich ist. Wenn schon diese Bewegung nur mit Hilfe, starkem Abstützen oder deutlicher Unsicherheit gelingt, ist das Ergebnis klinisch relevant.

Fünf Wiederholungen messen

Auf das Startsignal steht die Person fünfmal so schnell wie sicher möglich vollständig auf und setzt sich zwischen den Wiederholungen wieder hin. In vielen 5R-STS-Protokollen endet die Messung beim vollständig erreichten fünften Stand. Andere klinische Beschreibungen stoppen nach dem fünften Hinsetzen. Entscheidend ist, dass die gewählte Stopp-Regel dokumentiert und bei Verlaufsmessungen nicht gewechselt wird.

Wichtig: Die 5xSTS-Zeit ist nicht dasselbe wie der 30-Second Chair Stand Test. Beim 5xSTS misst man die Zeit für fünf Wiederholungen. Beim 30-Sekunden-Test zählt man, wie viele Wiederholungen in 30 Sekunden möglich sind.

Auswertung: Welche Zeiten sind auffällig?

Es gibt keinen einzigen Cut-off, der für alle Menschen gleich gilt. Alter, Diagnose, Schmerz, Stuhlhöhe, Armgebrauch und die Testanweisung beeinflussen die Zeit. Die folgenden Werte sind deshalb Orientierungspunkte, keine harten Diagnosen.

Wert Bedeutung Klinische Einordnung
< 12 s Bei vielen Erwachsenen und fitten älteren Menschen unauffällig. Gut, aber nicht automatisch risikofrei. Gangbild, Sturzgeschichte, Schwindel, Medikamente und Wohnumgebung bleiben wichtig.
60-69 J.: > 11.4 s
70-79 J.: > 12.6 s
80-89 J.: > 14.8 s
In der älteren Bohannon-Metaanalyse galten Zeiten oberhalb dieser Werte als schlechter als der Altersdurchschnitt. Geeignet als grobe Orientierung für Menschen ab 60 Jahren, aber nur bei ähnlicher Durchführung und vergleichbarer Patientengruppe.
> 15 s Bei Menschen ab 65 Jahren ein wichtiger Warnwert für reduzierte Funktion und erhöhtes Sturzrisiko. In einer grossen Studie verdoppelte ein Wert über 15 Sekunden bei moderatem Ausgangsrisiko das Risiko für wiederholte Stürze.
Nicht möglich oder nur mit Armen Standardtest nicht bestanden oder nur modifiziert durchführbar. Klinisch sehr relevant: Transferfähigkeit, Sicherheit zuhause, Hilfsmittel, Kraft, Gleichgewicht und Sturzprävention gezielt prüfen.

Für gesunde Erwachsene berichtete eine moderne Referenzstudie eine durchschnittliche 5R-STS-Zeit von 6.21 Sekunden und eine obere Normalgrenze von 12.39 Sekunden. Diese Werte sind hilfreich, aber nicht direkt auf ältere, kranke oder frisch operierte Patient:innen übertragbar.

Wofür der Test in der Physiotherapie nützlich ist

Der 5xSTS passt gut, wenn die zentrale Frage lautet: Kommt diese Person wiederholt sicher vom Sitzen in den Stand? Diese Frage ist in der Physiotherapie oft wichtiger als ein isolierter Kraftwert.

Besonders sinnvoll ist der Test bei älteren Menschen mit Mobilitätsverlust, nach längerer Bettlägerigkeit, nach Rehabilitation, bei Gleichgewichtsproblemen, bei Knie- oder Hüftbeschwerden, nach orthopädischen Eingriffen und bei neurologischen Erkrankungen, sofern die Durchführung sicher möglich ist.

Was man während des Tests beobachten sollte

Die Zeit allein ist nur ein Teil der Information. Oft ist die Qualität der Bewegung genauso wichtig wie die Sekunden auf der Stoppuhr.

Start der Bewegung

Braucht die Person mehrere Anläufe? Wird stark mit dem Oberkörper Schwung geholt? Verlagert sie das Gewicht sauber über die Füsse oder bleibt sie zu weit hinten?

Kontrolle beim Hinsetzen

Fällt die Person zurück auf den Stuhl oder kann sie die Bewegung kontrolliert abbremsen? Gerade das Hinsetzen zeigt oft exzentrische Kraft und Gleichgewichtskontrolle.

Symmetrie und Schmerz

Wird ein Bein deutlich entlastet? Verändert Schmerz die Strategie? Sind Knie, Hüfte oder Fussposition auffällig?

Sicherheit nach Wiederholungen

Wird die fünfte Wiederholung unsicherer als die erste? Treten Atemnot, Schwindel, Zittern oder Angst auf? Das kann für die Therapieplanung wichtiger sein als der reine Zeitwert.

Verlauf messen: worauf es wirklich ankommt

Der 5xSTS ist besonders stark, wenn man ihn wiederholt unter denselben Bedingungen misst. Dann kann man sehen, ob sich ein Mensch funktionell verbessert: schnelleres Aufstehen, weniger Unsicherheit, bessere Kontrolle beim Hinsetzen, weniger Schmerzen oder weniger Pausen.

Eine Veränderung sollte nicht nur mathematisch interpretiert werden. Entscheidend ist, ob sie zum Alltag passt: Kommt die Person leichter vom Sofa hoch? Ist der Toilettentransfer sicherer? Kann sie nach dem Aufstehen direkt losgehen, ohne sich erst lange festhalten zu müssen?

Praktischer Punkt: Für Verlaufsmessungen immer denselben Stuhl, dieselbe Armposition, dieselbe Stopp-Regel und möglichst ähnliche Tagesbedingungen verwenden. Sonst misst man schnell den Unterschied im Testaufbau statt den Fortschritt der Patientin oder des Patienten.

Stärken und Grenzen des 5xSTS

Stärken

  • schnell durchführbar und leicht erklärbar
  • braucht nur Stuhl und Stoppuhr
  • nah an einer wichtigen Alltagsbewegung
  • gut geeignet für Verlauf und Therapieziele

Grenzen

  • abhängig von Stuhlhöhe, Armgebrauch und Instruktion
  • kein reiner Krafttest
  • kein alleiniger Sturzrisiko-Test
  • Normwerte sind populations- und protokollabhängig

Wann man vorsichtig sein sollte

Der Test sollte nicht mechanisch durchgeführt werden, wenn die Situation klinisch unsicher ist. Bei akutem Schwindel, Brustschmerz, starker Atemnot, deutlich instabilem Kreislauf, frischem Trauma, starken Schmerzen, unklaren Belastungsgrenzen nach Operation oder hohem Sturzrisiko braucht es zuerst klinisches Urteil.

Wenn eine Person den Standardtest nicht sicher schafft, ist das kein "schlechtes Mitmachen", sondern ein wichtiges Ergebnis. Dann ist die sinnvollere Frage nicht, wie schnell die fünf Wiederholungen waren, sondern welche Unterstützung nötig ist, damit Aufstehen und Hinsetzen im Alltag sicherer werden.

Literatur

Die Interpretation in diesem Artikel orientiert sich an Referenzwerten, älteren Sturzrisiko-Studien und Arbeiten zur Standardisierung von klinischen Performance-Tests.

  • Bohannon RW. Reference values for the five-repetition sit-to-stand test. Perceptual and Motor Skills, 2006. Normwerte für Personen ab 60 Jahren. PubMed
  • Klukowska AM et al. Five-Repetition Sit-to-Stand Test Performance in Healthy Individuals. Neurospine, 2021. Referenzwerte, Prädiktoren und detailliertes 5R-STS-Protokoll bei gesunden Erwachsenen. Open Access
  • Buatois S et al. Five times sit to stand test is a predictor of recurrent falls. Journal of the American Geriatrics Society, 2008. Zusammenhang mit wiederholten Stürzen bei Personen ab 65 Jahren. PubMed
  • Buatois S et al. A simple clinical scale to stratify risk of recurrent falls. Physical Therapy, 2010. 5xSTS > 15 Sekunden erhöhte bei moderatem Risiko die Aussagekraft für wiederholte Stürze. PubMed
  • Bergquist R et al. Performance-based clinical tests of balance and muscle strength used in young seniors. BMC Geriatrics, 2019. Systematische Übersicht zur grossen Variation in Durchführung und Messqualität klinischer Performance-Tests. Open Access
Arbeiten bei Mittim

Willst du fachlich stark arbeiten und dafür starke Bedingungen bekommen?

Wir suchen Physiotherapeut:innen, die Verantwortung mögen, hohe Qualität ernst nehmen und gut mit Autonomie umgehen können.

Autonomie Du planst deine Route selbstständig und hältst den Überblick über deinen Arbeitsalltag.
Qualität Du willst nicht möglichst schnell fertig sein, sondern möglichst sinnvoll helfen.
Besser werden Du möchtest fachlich wachsen, genauer beobachten und bessere Entscheidungen treffen.
Wert schaffen Für Patient:innen, Angehörige, Ärzt:innen, Spitex und Kolleg:innen.

Guter Fit, wenn du...

  • deine Route und Wocheneinteilung gerne selbst planst, auch mit einem spontanen verlängerten Wochenende als schönen Bonus, wenn es organisatorisch passt.
  • klinische Qualität, saubere Kommunikation und verlässliche Dokumentation ernst nimmst.
  • Domizilphysiotherapie als anspruchsvolle Arbeit im echten Alltag siehst.
  • kleine Koordinationsaufgaben im Homeoffice ausserhalb der Behandlungszeiten in Ordnung findest.

Weniger passend, wenn du...

  • eine Stelle suchst, in der fachliche Entwicklung keine grosse Rolle spielt.
  • Autonomie möchtest, aber Planung, Qualität und Kommunikation lieber komplett abgibst.
  • eine fixe 9-bis-5-Struktur erwartest, in der keine Koordination ausserhalb der Behandlung anfällt.
  • starke Bedingungen suchst, ohne selbst hohe Ansprüche an deine Arbeit zu stellen.
Top 1% Einkommen als Prinzip

Lohn ist nicht alles. Aber ein sehr gutes Einkommen gibt Freiheit: mehr Erholung, mehr Ferien und mehr Spielraum, auch etwas weniger zu arbeiten. Bei Mittim wird nicht nur die Behandlung bezahlt, sondern auch die kleine Zusatzarbeit, die ausserhalb der direkten Behandlungen Struktur und Ruhe in den Alltag bringt.

Wenn du hohe Qualität liefern willst, sollen die Bedingungen dazu passen.

Genau darum geht es bei Mittim: viel Freiheit in der Planung, klare Verantwortung für Qualität und Organisation, sehr gute Rahmenbedingungen und dadurch eine bessere Work-Life-Balance. Nicht mit einer klassischen 9-to-5-Mentalität, aber mit deutlich mehr Gestaltungsspielraum.


Vielleicht gefällt es Ihnen auch Alle anzeigen

Berg Balance Scale: Auswertung, Punkte & Sturzrisiko
Berg Balance Scale: Auswertung, Punkte & Sturzrisiko
Mehr lesen
Five Times Sit-to-Stand Test: Auswertung & Normwerte
Five Times Sit-to-Stand Test: Auswertung & Normwerte
Mehr lesen