Gangunsicherheit – eines der wichtigsten Warnzeichen für drohenden Verlust der Selbstständigkeit
Gangunsicherheit ist vielleicht die häufigste Diagnose, die wir Physiotherapeuten im Alltag sehen. Und das aus gutem Grund: Unsicherheit beim Gehen ist oft ein Vorbote von Stürzen – und Stürze gehören zu den häufigsten Ursachen, warum ältere Menschen ins Spital müssen.
Wenn jemand im höheren Alter eine Hüftfraktur erleidet und hospitalisiert wird, sind die Folgen gravierend.
Klassischerweise hiess es immer, dass etwa ein Drittel der Menschen mit einer Hüftfraktur innerhalb des ersten Jahres stirbt.
Eine neuere systematische Analyse differenziert dieses Bild: Weltweit liegt die durchschnittliche Ein-Jahres-Sterblichkeitsrate nach einer Hüftfraktur bei rund 22 %. (Panula et al., 2019).
Eine Chance von eins zu fünf, innerhalb eines Jahres zu sterben – das sind schlechtere Chancen als beim Russischen Roulette.
Und zusätzlich haben Menschen mit Diabetes, Unter- oder Übergewicht, Herz- oder Lungenerkrankungen oder anderen chronischen Leiden ein deutlich höheres Risiko als der Durchschnitt.
Konfrontierend? Ja.
Aber die gute Nachricht: Im ausgezeichneten Schweizer Gesundheitssystem können Sie sich ganz einfach zu Hause von einem erfahrenen Therapeuten helfen lassen – sicher, wirkungsvoll und vollständig durch die Grundversicherung gedeckt.
Wie Gangunsicherheit beginnt
Gangunsicherheit entsteht selten plötzlich – sie schleicht sich ein.
Die ersten Anzeichen sind oft subtil:
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Der Gang wirkt weniger fliessend oder asymmetrisch
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Ein Fuss tritt etwas härter auf als der andere
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Ein Bein wird leicht nachgezogen oder die Schritte werden kleiner
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Die Arme schwingen weniger mit
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Das Aufstehen oder Umdrehen fühlt sich instabil an
Oft spürt man nicht genau, was nicht stimmt – aber das Geräusch der Schritte auf dem Boden verrät es.
Ein gesunder Gang ist rhythmisch, symmetrisch und harmonisch. Wenn dieses Muster sich verändert, ist das ein frühes Warnsignal: Muskeln, Nerven und Gleichgewicht arbeiten nicht mehr optimal zusammen.
Realitätscheck: Testen Sie sich selbst
Stehen Sie auf, heben Sie ein Knie an und versuchen Sie, das Gleichgewicht zu halten – ohne sich festzuhalten (und bitte auch ohne zu fallen 🙂).
Wie lange gelingt Ihnen das?
Menschen, die dies weniger als 10 Sekunden schaffen, haben ein erhöhtes Sturzrisiko.(Gafner et al., 2021)
Doch auch wenn Sie mit 50 Jahren etwa 20 Sekunden erreichen, sollten Sie sich noch nicht zu früh freuen:
Jüngere Menschen sollten diese Übung deutlich länger halten können.
Wie bei vielem im Leben gilt: Wer sich in jungen Jahren eine grosse Reserve aufbaut, kann davon im Alter lange profitieren.
Wer hingegen schon früh an der Grenze ist, wird später mit hoher Wahrscheinlichkeit Schwierigkeiten bekommen.
Ich empfehle daher: Wenn Sie noch nicht im Pensionsalter sind, sollten Sie den Einbeinstand mindestens eine Minute problemlos halten können – idealerweise so leicht, dass es fast langweilig wirkt. Dann sind Sie bestens vorbereitet auf ein gesundes, stabiles Altern.
Was Sie selbst tun können – kleine Gewohnheiten mit grosser Wirkung
Ein einfacher, aber effektiver Tipp:
Ziehen Sie Ihre Socken oder Schuhe im Stehen an – auf einem Bein.
Klingt banal, hat aber enorme Wirkung: Solche kleinen Alltagsgewohnheiten halten Ihr Gleichgewichtssystem aktiv.
Sie trainieren unbewusst ihre Balance, Muskelkontrolle und Reaktionsfähigkeit – genau jene Fähigkeiten, die im Alter oft langsam verloren gehen.
Das Beste daran: Sie brauchen keine Geräte oder ein Fitnessstudio.
Schon kleine Balanceübungen im Alltag haben einen großen vorbeugenden Effekt.
Warum Gleichgewicht die vergessene Säule der Gesundheit ist
Wir achten oft auf Ernährung, Blutdruck, Medikamente und Bewegung – aber fast nie auf das Gleichgewicht.
Dabei ist Balance einer der stärksten Prädiktoren dafür, wie gesund und selbstständig man im Alter bleibt.
Menschen stürzen nicht nur wegen Muskelschwäche, sondern vor allem durch den Verlust von Koordination, Reaktionsfähigkeit und Vertrauen in den eigenen Körper.
Darum ist frühes Handeln so entscheidend – bevor etwas passiert.
Hausbesuche durch Physiotherapeuten sind dafür ideal geeignet.
Ein Physiotherapeut:
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prüft, ob Muskelschwäche, Asymmetrie oder Gleichgewichtsprobleme bestehen,
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trainiert gezielt Gang und Balance,
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vermittelt sichere Strategien zur Sturzprävention,
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und stärkt das Vertrauen in den eigenen Körper.
Was kostet das?
Die beste Nachricht: Das Schweizer Gesundheitssystem ist hervorragend organisiert – und erkennt den grossen Wert der Physiotherapie in der Sturzprävention an.
Für Menschen mit Gangunsicherheit oder Gleichgewichtsproblemen ist eine Behandlung bei Ihnen zu Hause (Domizil-Physiotherapie) fast immer vollständig durch die Grundversicherung gedeckt.
Sie müssen also (fast) nichts selbst bezahlen.
Ihr Arzt stellt einfach eine Verordnung aus („ärztliche Verordnung für Physiotherapie zu Hause“), und wir kommen zu Ihnen.
Mit minimalem Aufwand und ohne finanzielle Hürde können Sie etwas tun, das Ihnen Jahre an Selbstständigkeit und Lebensqualität schenken kann.
Warum Physiotherapie wirkt
Unsere Therapeutinnen und Therapeuten haben im Laufe der Jahre jeweils Tausende von Patientinnen und Patienten behandelt und verfügen über umfangreiche Erfahrung darin, wichtige Fähigkeiten gezielt zu vermitteln. Wir wissen genau, an welchen Punkten wir ansetzen müssen, um die schnellsten Fortschritte zu erzielen. So können Sie mit uns auf sichere Weise Ihre Stabilität rasch verbessern.
Dabei haben wir nicht nur ein Auge für die praktischen Dinge wie die Übungen selbst, sondern auch für Ihr persönliches Motivationsniveau, Ihren Lernstil, Ihr Wohnumfeld sowie Ihre soziale und räumliche Situation.
Können Sie die Übungen auch allein zu Hause durchführen? Sicher.
Aber wie bei vielem gilt: Wenn Sie eine Fachperson hinzuziehen, werden Sie bessere Ergebnisse erzielen.
Fazit
Gangunsicherheit ist kein unausweichlicher Teil des Alterns – sie ist ein Warnsignal, dass der Körper Unterstützung braucht.
Die gute Nachricht: Mit rechtzeitiger physiotherapeutischer Begleitung ist dieser Prozess umkehrbar.
Sie können Ihr Gleichgewicht, Ihre Kraft und Ihr Vertrauen zurückgewinnen.
Je früher Sie beginnen, desto grösser sind die Erfolge – in Sicherheit, Selbstständigkeit und Lebensfreude.
Mittim – Physiotherapie bei Ihnen zu Hause